KOMM!

Arbeitslose Jugendliche, gerade jene mit fehlender beruflicher Qualifikation, laufen oft Gefahr, negative Schlüsse zu ziehen: Jeder Rückschlag beim Versuch, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wird als Ausgrenzung der eigenen Person gewertet. Gerade wo es darauf ankäme durchzuhalten, neue Vorstellungen zu entwickeln, verfallen viele in eine Art resignierter Starre, die in Antriebsschwäche, auch Aggression mündet.
»KOMM!« bot solchen Jugendlichen über ein mehrmonatiges Wahrnehmungs- und Kreativtraining die Chance, für den schwierigen Weg in ein erfülltes Arbeitsleben gezielt Fähigkeiten auszubilden und vor allem frische Kraft zu tanken.


Fakten kurz gefasst

Mit »KOMM!« wandten sich drei große Frankfurter Museen an arbeitslose Jugendliche: Die Wahrnehmungsfähigkeit sowie das Formulieren von Gefühlen, Geschmacksurteilen und deren Begründung zählen zu den Grundqualifikationen, die für jeden Berufseinstieg hilfreich und notwendig sind. KOMM! erweiterte den bisherigen Bildungsauftrag der Museen um das Bemühen sozialer Integration. Die Crespo Foundation übernahm im Jahr 2006 die Anschubfinanzierung des Projekts.

Projektträger
Schirn Kunsthalle, Liebighaus Skulpturensammlung,
Städel Museum
Förderzeitraum          
2007 bis 2009
Projektverlauf
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit sozialpädagogischen Einrichtungen und Schulen über sechs Monate durchgeführt. Es fand einmal pro Woche statt. Neben gemeinsamen Museumsbesuchen gehörte vor allem das kreative Gestalten – Zeichnen, Malen, Formen – zum Konzept. Alle TeilnehmerInnen erhielten anschließend einen kostenlosen Museumsausweis für ein Jahr.
Weitere Förderer
Aventis Foundation
Evaluation
Johann Wolfgang Goethe – Universität Frankfurt,
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Projektkontakt
Svenja Kriebel, info(at)kunstspruenge.de





Was war KOMM!

Die Frankfurter Museen Schirn Kunsthalle Frankfurt, die Liebighaus Skulpturensammlung und das Städel Museum wagten sich 2006 mit dem Projekt KOMM! auf neues Terrain. Mit der Erweiterung ihres klassischen Bildungsauftrags um den Ansatz, soziale Integration zu fördern, übernahmen die Institute Mitverantwortung für eine Situation, in der sich Jugendliche aus bildungsfernen Milieus zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen.
Svenja Kriebel, eine langjährige Mitarbeiterin der Häuser, leitete das Projekt mit zwei Mitarbeiterinnen, unterstützt von der Kunstpädagogin Daniela Streng und der Künstlerin Maria Bubenik.

KOMM! war ein in seiner Konzeption ungewöhnliches Projekt, das jugendlichen Arbeitslosen über den aktiven Umgang mit Kunst Möglichkeiten eröffnete, aus der gefühlten Bedeutungslosigkeit herauszutreten und sich neuen Einflüssen zu öffnen.
Die Crespo Foundation übernahm im Jahr 2006 die Anschubfinanzierung und hat auch in den Jahren 2007/2008 gemeinsam mit der Aventis Foundation Mittel für die Weiterführung bereitgestellt. Das Projekt wurde in enger Kooperation mit der Jungengruppe »Anstoß!« und der Mädchengruppe »Streifenadeln« - beides Arbeitsmaßnahmen der Bundesarbeitagentur Offenbach - realisiert. Der Verein »startHAUS – innovative Pädagogik» organisierte den Ablauf gemeinsam mit kunstsprünge.de.
KOMM! trat an junge Erwachsene, meist ohne Schulabschluss, sowie an »Hartz IV»- Empfänger heran, um sie stark zu machen für einen neuen Anlauf in die Erwerbstätigkeit. Es setzte sich zum Ziel, der ins Stocken geratenen Selbstkonzeption der Beteiligten wieder Schwung zu geben.
Das Projekt entwickelte seinen Ansatz in Zusammenarbeit mit den beteiligten sozialen Einrichtungen. Die aktive Teilnahme der Jugendlichen an den monatlich stattfindenden Seminaren war dabei unerlässlich. Im Bereich von Disziplin und Motivation galt es zunächst einmal, größtmögliche Stabilität zu schaffen; dies wurde durch die enge Zusammenarbeit mit den SozialarbeiterInnen und PädagogInnen der Einrichtungen erzielt, von denen die Jugendlichen kamen. KOMM! finanzierte Materialien für Malerei, Fotografie und andere künstlerische Disziplinen, die beteiligten Einrichtungen stellten die Räume.


Künstlerische Selbsterfahrung

Für die Jugendlichen begann mit KOMM! ein Prozess, den man »Grundqualifikation« nennen könnte: Im Team Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, Kommunikation und Kreativität trainieren, Selbstachtung gewinnen. Gemeinsam Strategien zur Konfliktbewältigung erproben. Respekt vor anderen lernen, das »Fremde« zulassen. Ein Gefühl für Verantwortung und Initiative aufbauen.
Mittel und Weg zum Erwerb dieser Fähigkeiten war die künstlerische Selbsterfahrung.
KOMM! ging davon aus, die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen durch regelmäßige Arbeit an einem künstlerischen Werkstück fördern zu können. Zusätzlich motivieren sollte die Aussicht, gemeinsam eine »richtige« Ausstellung zu gestalten.

Die Anfangsbedingungen waren schwierig. Die Zielgruppe war beim Start des Projekts wenig bis gar nicht mit künstlerischen Verfahren, der Rezeption und Beurteilung von Kunst vertraut. Als Grundlage des Projekts wurden Module gemeinsamer schöpferischer Arbeit entwickelt, Museumsbesuche dienten im folgenden dazu, frisch »gelernte« Gefühle und künstlerische Erfahrungen in einem erweiterten Kontext zu sehen, um die angeschobenen Prozesse zu intensivieren. Viele Jugendliche waren zum ersten Mal in einem Museum. Vor Ort trainierten sie das Formulieren und Begründen von Gefühlen und Geschmacksurteilen.
Bildende Kunst als Brücke aus der sozialen Randständigkeit: Inwieweit dieser anspruchsvolle Versuch die erwünschten Resultate erzielte, Perspektiven für die TeilnehmerInnen geschaffen wurden, evaluierte der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt durch teilnehmende Beobachtungen und Einzelinterviews.

Nach Lage der Dinge hat sich das Projekt als erfolgreich erwiesen. Es wäre wünschenswert, die aus seiner Dynamik heraus entstandenen Gruppen von Jugendlichen in fortführende Maßnahmen einzubinden. Als Langzeitangebot sollte und will KOMM! jungen Arbeitslosen aller sozialen Einrichtungen zur Verfügung stehen.


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