Drei Fragen an Adéla Hardmeyer, Associate, Solicitor bei Clifford Chance Deutschland LLP

Seit dem Jahr 2011 unterstützen Mitarbeiterinnen aus der >>> Clifford Chance Sozietät in Frankfurt unser Projekt >>> SABA - Bildungsstipendien für Migrantinnen: Sie bieten den Stipendiatinnen Bewerbungsworkshops oder Sprachpatenschaften an und stehen als Mentorinnen für individuelle Fragestellungen und Probleme zur Verfügung.


Frau Hardmeyer, Sie sind seit Ende letzten Jahres Sprachpatin unserer SABA-Stipendiatin Nejat Jaefer - was hat Sie zu dieser Entscheidung motiviert?
»Ich fand die Thematik von Frauen interessant, die nach Deutschland kommen und sich ein neues Zuhause bauen wollen. Menschen aus anderen Kulturen haben es hier ja nicht immer leicht: Oft entwickeln sich Einschätzungen auf beiden Seiten, die weder präzise noch angemessen sind. Insofern war ich von der Crespo Foundation und SABA ganz begeistert. Mit den Angeboten dieses Projekts kann man Migrantinnen deutlicher machen, wie es sich hier leben lässt und ihnen die Möglichkeit geben, sich in die Gesellschaft einzugliedern und ein glückliches Leben zu führen. Dazu gehört ja weit mehr als die Beherrschung der Sprache und eine Ausbildung...
Ich war sehr angetan von der Idee, eine der Stipendiatinnen zu treffen und ihr das Fenster ins Leben in Deutschland auch menschlich und kulturell ein wenig weiter zu öffnen. Meine eigene Situation damals war wesentlich einfacher: Das Leben in Tschechien ist nicht so anders als hier, außerdem habe ich hier studiert. Doch auch ich musste bestimmte Dinge lernen, als ich hierher kam ... zum Beispiel den Humor!
Zudem hatte ich zuvor bei Clifford Chance in Prag gearbeitet. Die Arbeitskultur dieses internationalen Unternehmens ist in allen Ländern sehr ähnlich, insofern bot sich mir auch in Frankfurt sofort eine vertraute Situation. Nejat kam unter weit schwierigeren Bedingungen ins Land als ich. Sie begann bei Null und musste sich ein ganz neues Leben aufbauen.«

Nejat hat vor kurzem ihren Hauptschulabschluss bestanden und bereitet sich auf eine Ausbildung zur Krankenpflegehilfe vor - ein ganz anderer Lebensweg als der Ihre. Haben Sie Gemeinsamkeiten entdeckt, seitdem Sie sich kennen?
»Selbstverständlich - wir sind beide Ausländerinnen! Man merkt aneinander Dinge, die Deutschen erst einmal gar nicht auffallen würden...
Auch über die Bürokratie sind wir uns einig. Die Formulare! Ich erklärte Nejat, dass nicht nur sie, sondern auch ich manchmal noch das Wörterbuch zücken muss, wenn es ans Ausfüllen geht. Eine andere Gemeinsamkeit besteht darin, dass ich mich hier weiterqualifizieren musste, um in meiner Arbeit bestehen zu können: Es hat Nejat motiviert, dass auch ich als Europäerin hier meine Abende geopfert und Prüfungen bestanden habe, bevor alles rund lief. Immer wieder habe ich ihr vermittelt, dass sich solche Investitionen langfristig auszahlen - jede Stunde, die man in der Schule verbringt. Davon kann man in der Zukunft nur profitieren! Es tut immer gut, zu erfahren, dass andere ebenfalls hart an sich arbeiten, um voran zu kommen, so verschieden die Lebenswege auch sein mögen.«

Wie sieht eine typische Stunde mit Nejat aus - welche Aufgabenstellungen bearbeiten Sie hauptsächlich mit ihr?
»Wir sprechen beide gern - insofern hatten wir zunächst einfach Freude am Austausch. Meistens brachte Nejat Unterlagen aus der Schule mit: Wir lasen Texte, analysierten sie und versuchten sie zusammenzufassen. Dann haben wir Prüfungsbeispiele studiert, wobei ich meine eigenen Kenntnisse und Erfahrungen gut nutzen konnte. Wenn man sich die Grundlagen der Sprache sorgfältig aneignet, eliminiert man eine große Anzahl von Fehlern: Wir haben vieles geübt und wiederholt, um diese Basis für Nejat zu schaffen.
Sehr oft kam sie auch mit Formularen und Schriftstücken. Eine der Lektionen, die man aus einer arabischen Kultur stammend hier lernt, ist, dass ein Handschlag nur selten ausreicht, um eine geschäftliche Vereinbarung zu besiegeln. Man braucht einfach alles schriftlich!
Es hilft auch nicht, solche Angelegenheiten innerhalb der Familie und mit Freunden zu besprechen, da deren Ansichten aus dem gleichen Kontext kommen wie die eigenen. Eine Außenperspektive ist wichtig... und sich Hilfe zu holen, wenn man nicht weiter kommt.
Die habe ich wirklich gerne angeboten im Rahmen dieser Sprachpatenschaft. Zudem bot sich dadurch die Möglichkeit, mir einen eigenen Eindruck der Situation von Frauen wie Nejat hier in Deutschland zu verschaffen. Unsere Begegnungen empfand ich als sinnvoll, sie haben uns beiden viel Freude gemacht. In der Arbeit ist man ja immer mit ernsten Dingen beschäftigt, da war es sehr vergnüglich, zwischendurch mal mit Nejat eine Fabel zu interpretieren!«


»Wissbegierig und begeistert«

Stephanie Fittschen von Clifford Chance zu ihrer Sprachpatenschaft bei Saba


Seit dem Angebot Ihres Unternehmens, unserem Projekt Saba Sprachpatenschaften anzubieten, haben sich zehn Tandems gefunden - eines davon bilden Sie mit unserer Stipendiatin Assia Affani. Was motiviert Sie persönlich an dieser Aufgabe?

Fittschen: Ich hatte schon lange den Wunsch, mich ehrenamtlich zu engagieren, aber fand nie die richtige Gelegenheit. Ich habe früher Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und bin Englisch Muttersprachlerin, also fand ich, dass so eine Sprachpatenschaft genau das richtige war. Außerdem passt es sehr gut in den Arbeitstag, weil die Stipendiatin hierher kommt.

Werden Sie bestimmte Methoden anwenden, um die Sprachkompetenz Ihres Schützlings zu verbessern?

Fittschen: Ich versuche, mit ihr viel auf Englisch zu sprechen, aber sie möchte auch Texte bearbeiten, damit sie sich auf ihre Prüfung vorbereiten kann. Hier versuche ich, ihr Tipps zu geben, wie sie das Wichtigste in einem Satz herausbekommen kann und sich nicht mit unnötigen Wörtern herumschlägt. Auf dieser Art und Weise soll sie auf jeden Fall verstehen, worum es in dem Text geht, auch wenn sie nicht alles mitkriegt.

Haben Sie beide für Ihre gemeinsame Zeit bereits Ziele formuliert?

Fittschen: Hauptziel im Augenblick ist, ihre Prüfung Ende Mai zu bestehen.  

Was hat Ihnen selbst beim Erlernen Ihrer Fremdsprachen die meisten Schwierigkeiten bereitet?

Fittschen: Wie bei den meisten Leuten war Sprechen das Schwierigste für mich. Lesen und Schreiben sind passive Tätigkeiten, bei denen man normalerweise Zeit hat. Wenn man spricht, muss man erst mal verstehen, was das Gegenüber gesagt hat, dann muss man formulieren und dann aussprechen, und das alles ganz schnell. Außerdem machen einem neue Laute, die man nicht hört, geschweige denn aussprechen kann, das Leben schwer. Es hat Jahre gedauert, bis ich den Unterschied zwischen Bruder und Brüder gehört habe. Manche Umlaute höre ich immer noch nicht richtig.

Was sagen Sie ihrer Stipendiatin, wenn die mal den Kopf hängen lässt?

Fittschen: Bisher hat sie nicht den Kopf hängen lassen! Sie ist immer wissbegierig und begeistert.



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Projektkoordination SABA Mentoring
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Kooperationspartner

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60389 Frankfurt
www.berami.de

Fotos

SABA-Stipendiatinnen
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Ivo Söltner
Gabrielle Strijewski
Nina Werth



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