KreativprojektE 2009/2010

Im Oktober 2009 startete das Kreativprojekt für den dritten Jahrgang der SABA-Stipendiatinnen.

Zusammen mit den beiden Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk hat die Gruppe bei monatlichen Treffen bis zum Sommer 2010 an ihren kreativen sprachlichen und nicht-sprachlichen Ausdrucksformen gearbeitet, die eigenen Wünsche und Ziele künstlerisch gefasst und biographische Erlebnisse in schöpferische Prozesse gekleidet.
Über die Spurensuche im eigenen Leben lernten die Teilnehmerinnen die Freude kennen, sich über Kunst zu reflektieren - und dazu den Mut und die Kraft, sich auszudrücken.
»Ich soll - malen...?« Der Einstieg war für keine der Frauen leicht. Doch die anfängliche Befangenheit verwandelte sich im Laufe der gemeinsamen Arbeit, mit den Besuchen bei Künstlerinnen und in Museen, dem Auffinden von Parallelen zur eigenen Biographie in starke Bilder, die mit Stolz in eine Ausstellung mit einer Installation zusammengetragen wurden.
Die Ergebnisse waren vom 1. bis zum 23. Juli 2010 in der Weißfrauenkirche zu bewundern.

Anny und Sibel Öztürk, 1970 und 1975 geboren, haben beide an der Frankfurter Städelschule studiert und treten auch als Künstlerinnen gemeinsam auf. Die Medien, derer sie sich bedienen sind vielfältig, ihren thematischen Mittelpunkt allerdings haben die Schwestern fest im Blick: Ihre Filme, Zeichnungen, Objekte oder Installationen setzen sich dezidiert mit den Erscheinungsformen kultureller Identität auseinander.


Feedback der Malerinnen zum Projekt

»Anfangs war es ganz komisch... wofür brauchten wir Kunst? Ich wusste nicht, warum die Stiftung gerade dieses Projekt für uns ausgewählt hat. Aber dann... ich hatte sehr viele Gedanken im Kopf. Ich habe nicht geredet, nichts erzählt, ich habe nur gemalt!« 

»Ich war ganz ruhig. Es war für mich wie eine kleine Therapie. Ich hab’ immer mit meinen Lieblingsfarben gemalt, und alle hatten eine Bedeutung für mich. Ich hab' gemalt, was ich wollte und wie ich mich fühlte: das war das Besondere. Nein... noch toller war, ich hab’ alle meine Geheimnisse in meine Bilder gemalt, aber das weiß keiner außer mir... «

»Sibel und Anny waren so nett! Sie haben viel Geduld mit uns gehabt. Mit sechzehn Frauen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammen zu arbeiten ist nicht leicht... « 

»Schlechtes? Gab es gar nicht! Die Tage waren viel zu schnell vorbei. Wenn man traurig ist, kann man beim Malen alles vergessen. Ich habe eine muslimische Frau gemalt, nein zwei, die eine war ich, und die andere meine Mutter. Ich habe meine Meinung gemalt... «

»Am Anfang sagen alle: ich kann nicht. Aber wenn man Interesse hat, schafft man viel! Dann ist es einfach. Wir hatten ein Mädchen aus der Türkei in unserer Gruppe... ich glaube, sie hat ihr ganzes Leben gemalt!«  

SABA Kreativprojekt 2009/10
Die Ausstellung in der Weißfrauen Diakoniekirche Frankfurt lief vom 1. bis  23. Juli 2010.



Werkstatt Kreatives Schreiben 2010

Unter der Leitung von Phyllis Kiehl fand vom 01. bis 03 April 2010 die erste Schreibwerkstatt »Kreatives Schreiben« statt, an der aktuelle wie ehemalige SABA-Stipendiatinnen freiwillig teilnehmen konnten.
Viele der SABA-Stipendiatinnen schreiben Gedichte, führen Tagebücher oder chatten mit Freunden im Internet, doch tun dies viele in ihrer Muttersprache, weil sie sich im Deutschen unsicher fühlen.
Das Angebot der Werkstatt zielte darauf ab, das Schreiben in der deutschen Sprache selbstverständlicher und lustvoller erleben zu lassen: Über Kreativübungen und Wortschatztraining, doch vor allem über die spontane Freude an ersten, wirklich gelungenen Sätzen erfuhren die Teilnehmerinnen, wie sehr es sich lohnt, das eigene sprachliche Potential initiativ weiter zu entwickeln.
Phyllis Kiehl, Künstlerin und Autorin, ist seit elf Jahren Trainerin für Kreatives Schreiben für Menschen mit Migrationsgeschichte, unter anderem im Kindermuseum Frankfurt, im Stipendiatenprogramm der START-Stiftung und in der Sankt Peter Jugend-kultur-kirche. Parallel zu ihrer freien künstlerischen Arbeit betreut sie außerdem die Website der Crespo Foundation als Online-Redakteurin.


Feedback der Teilnehmerinnen zur Schreibwerkstatt

»Schreiben ist leicht... man muss nur die falschen Wörter weglassen« soll Mark Twain gesagt haben. Aber der schrieb auch in seiner Muttersprache! Bei den Teilnehmerinnen der ersten SABA-Schreibwerkstatt kamen allerhand Muttersprachen zusammen, aber Deutsch war nicht dabei. Umso schöner die Resonanz am Ende des gemeinsamen Wochenendes:

»Ich hatte immer Angst vor dem schreiben, reden kann ich gut. Ich will aber! Ich hab' keinen Mut und meine immer, dass ich es nicht schaffen kann. Ich will jetzt auch mehr Deutsch lesen.«

»Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Am Anfang war es stressig, aber dann bin ich in den Fluss gekommen... «

»Die Schreibwerkstatt hat mich sehr motiviert. In der Schule fühle ich mich manchmal, als ob mir jemand eine Kette um den Hals legen würde. Hier hab ich mein Talent entdeckt, ich hab spontan geschrieben!« 

»Es war total schön. Wenn man durch die Tür kommt, fühlt man sich gut, auch wenn man vorher schlecht drauf war.«

»Es hat mir gefallen. Ich hab' gestern gesehen, dass ich schreiben kann. Normalerweise schreibe ich auf Türkisch, aber wenn ich auf Deutsch schreibe, merke ich, wie es kommt.«

»Hab' mich von allen Sorgen frei gefühlt. Das Gedicht hat am meisten Spaß gemacht.«

»Ich hab’ noch nie einen Liebesbrief geschrieben... ich konnte meine Gefühle ausdrücken. Ich habe viel gelernt. Das Schreiben hat mir geholfen, zu verarbeiten.«

SABA Projektwochenende »Kreatives Schreiben«
1. - 3. April 2010






Ansprechpartner

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cora.stein(at)crespo-foundation.de

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Telefon: +49 (0)69 271079516
jennifer.mina(at)crespo-foundation.de


Projektkoordination SABA Mentoring
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chrysam(at)berami.de

Kooperationspartner

beramí berufliche Integration e.V.
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60389 Frankfurt
www.berami.de

Fotos

SABA-Stipendiatinnen
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Gabrielle Strijewski
Nina Werth



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